VVT - Vereinigung der VermessungstechnikerInnen

Fachkräftemangel / Nachwuchsgewinnung in der Geodäsie

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Fachkräftemangel / Nachwuchsgewinnung in der Geodäsie

Das Land Baden-Württemberg, „Musterländle“ technologisch fast immer mit in vorderster Reihe, und dennoch muss man in einigen technischen Bereichen mit gewisser Skepsis nach vorne blicken. Warum denn das, mag man sich fragen ? Alles läuft doch bestens !!
Ganz einfach, es fehlt an Nachwuchskräften, wovon auch die Bereiche des Vermessungswesens betroffen sind. Gibt es denn so was, mag man sich zunächst fragen?
Ja, jahrelanger Stellenabbau besonders in öffentlichen Verwaltungen, gepaart mit kritisch gesehenen Verwaltungsreformen, gesetzliche Veränderungen (Vermessungsgesetz) usw. führten auch dazu, dass viele junge, potentielle und mögliche Berufseinsteiger von der beruflichen Perspektive davon eher abgeschreckt wurden, einen doch höchst attraktiven Beruf zu erlernen oder auch den Weg eines Studiums der Geodäsie zu beschreiten.
„Nachdem das Kind nun aber in den Brunnen gefallen ist“, wie man hier im Ländle so schön sagt, sind viele Arbeitgeber nun aufgewacht und unternehmen auch wieder aktive massive An-strengungen um wieder Nachwuchs zu gewinnen. Das ist sicher erfreulich, das berufliche Umfeld erhält wieder positive Impulse. Dabei alleine darf es aber nicht bleiben, auch jahrelang erfahrene und guten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Büros, Versorgungsbetrieben und öffentlichen Verwaltungen müssen berufliche Perspektiven geboten werden. Sind es doch genau auch sie, welche die Multiplikatoren sind, um positives im Berufsumfeld in ihr Umfeld in die Gesellschaft zu transportieren und zu kommunizieren. Die Zerschlagung der Tarifstrukturen im öffentlichen Dienst seitens der Arbeitgeber in den letzten Jahrzehnten trug im Übrigen seinen Teil dazu bei.

Vermessen wie wir sind - vermessen wir nur nicht den Wind

Daher ist es auch aus gewerkschaftlicher Sichtweise nahezu fatal, dass sich die kommunalen Arbeitgeber (VKA) fast 10 Jahren nach Einführung des TVÖD verweigerten eine entsprechende neue Entgeltordnung abzuschließen, die dann aber auch perspektivische Verbesserungen mit sich bringen muss. Wenigstens auf Länderebene (TDL) und Bundesebene (BUND) ist man da einen Schritt weiter und hat hier bereits neue Entgeltordnungen vereinbart.
Herausforderungen der Zukunft, auch im geodätischen Bereich wird man auch unter dem Stichwort „Digitalisierung 4.0“ sehen müssen. Auch da wird es erneut größere Veränderungen geben. Eine neue Herausforderung, in der es nun gilt, auch die ArbeitnehmerInnen / Gewerkschaften in den Veränderungsprozessen richtig mit einzubinden, damit sie diese Veränderungen auch aktiv und auf Augenhöhe mitgestalten können. Die Aufgabenfülle in Baden-Württemberg im Umfeld dieses Berufstandes ist nach wie vor hoch. Die Umstellung auf ETRS89 läuft auf vollen Touren, eine „zähe Alkis-Einführung“ schreitet langsam weiter voran.

Die Aufgaben und Zielsetzungen bei der Flurneuordnung in der Entwicklung der ländlichen Räu-me ist ökologischer geworden. Mehr Bürgerbeteiligungen wurden auf den Weg gebracht. Zahlreiche weitere, begonnene, vorhandene aber auch viele neue Aufgaben warten darauf bewältigt zu werden. Dazu bedarf es qualifiziertes Personal, und gilt es weiter motivierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu gewinnen, zu beschäftigten und auch wieder an die Verwaltung zu binden. Dazu müssen nun für die Zukunft die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, in der es nun gilt mit den Mitarbeitern, Ihren Mitarbeitervertretungen und den Gewerkschaften sich ge-meinsam auf den Weg zu begeben. Dazu gehört eine adäquate Vergütung/Besoldung und in gleichem Maße eine Abkehr von prekären Arbeitsverhältnissen hin zu unbefristeten Beschäfti-gungen, was sowohl insbesondere für öffentliche Dienstherren, als auch private Dienstleister in gleichem betrifft.
Dazu gehört ein Dialog, partnerschaftliches Miteinander auf Augenhöhe, der Abschluss von Vereinbarungen, was am besten auch unter dem Dach einer Gewerkschaft realisiert werden kann.