Bundes- und Landesverwaltung

Gute Arbeit in der Denkmalpflege?

Befristungen

Gute Arbeit in der Denkmalpflege?

Artikel 3 c der Verfassung des Landes Baden-Württemberg von 1953 besagt: „Die Landschaft sowie die Denkmale der Kunst, der Geschichte und der Natur genießen öffentlichen Schutz und die Pflege des Staates und der Gemeinden.“ Denkmalschutz und Denkmalpflege sind als Staatsziel definiert. Auch der Koalitionsvertrag sieht vor, das "Kulturelle Erbe [zu] pflegen, [zu] bewahren und [zu] erforschen“ (Entwurf Koalitionsvertrag Seite 44). Landesgeschichte als Identifikationspunkt sowie Lebensqualität in Städten und Dörfern sind dabei ebenso von Bedeutung wie der Ressourcen-schonende Umgang mit bereits vorhandenen Bauwerken oder zu überbauenden Flächen.

Handlungsunfähige Behörden erschweren die Erfüllung der Selbstverpflichtung:

Gebietsreferentinnen und Gebietsreferenten Baden-Württembergs klagen schon seit Monaten darüber, dass es zwar sehr viel Arbeit für ArchäologInnen gäbe und auch ausreichend Geldmittel zur Verfügung stünden, aber nicht genug Arbeitskräfte gefunden werden können (Stuttgarter Zeitung vom 22.7.16).

Es ist jedoch mitnichten der Fall, dass es in Baden-Württemberg zu wenig ausreichend qualifizierte Archäologinnen und Archäologen gibt, um diese Stellen zu besetzen. Es gibt sehr viele potentielle Arbeitskräfte, die jedoch nicht weiter beschäftigt werden dürfen – weil das Land nicht willens oder in der Lage ist, unbefristete Verträge auszustellen. Dadurch wird eine völlig absurde Notlage geschaffen, unter der nicht zuletzt das archäologische Erbe Baden-Württembergs leidet.

Die Fakten liegen nach einem Artikel der Stuttgarter Zeitung vom 18.8.2016 auf dem Tisch, weil sich immer mehr Archäologen wehren – vor den Arbeitsgerichten, aber auch durch Schreiben an den Landtag. Nicht nur, aber vor allem bei Rettungsgrabungen wurden Spezialisten befristet für diese Grabungen angestellt. Sie arbeiten dann zwei Monate oder manchmal länger und müssen dann hoffen, einen Anschlussvertrag für ein anderes Projekt zu erhalten. Oder sie sind vorübergehend arbeitslos. Das Regierungspräsidium sieht in Rettungsgrabungen keine Daueraufgabe, weil sie „immer unerwünscht, durch Dritte aufgezwungen und in keiner Weise planbar“ seien. Landesweite Zahlen sind nicht bekannt, aber im Jahr 2013 standen im Regierungsbezirk Freiburg 123 befristet angestellte Personen 34 festen Mitarbeitern gegenüber. „Eine langfristige Familien- und Lebensplanung ist damit erschwert oder verunmöglicht“, heißt es in einem Memorandum des ver.di-Arbeitskreises , der sich jetzt gebildet hat. Tatsache ist: Befristete Verträge sind in der Archäologie die Regel, nicht die Ausnahme.

Dennoch arbeiten sie gemeinsam mit viel Herzblut daran, unsere Denkmäler auszugraben, zu dokumentieren und die Erkenntnisse für die Zukunft zu erhalten. Ihre eigene Zukunft sieht dabei zunehmend düster aus: Als Reaktion auf einen Präzedenzfall vor dem Arbeitsgericht erhalten langjährige MitarbeiterInnen seit Anfang 2015 keine neuen Verträge mehr, da sie sonst gute Chancen hätten, sich auf eine feste Stelle einzuklagen.  

Der dadurch entstehende Personalmangel stört den reibungslosen Ablauf der Ausgrabungen, erfahrene Arbeitskräfte stehen vor dem beruflichen Aus und neu eingelernte KollegInnen haben wenig Perspektive, da auch sie nur mit einer sehr kurzen Anstellungsdauer rechnen können. Dies bringt die Erhaltung der Denkmäler in Baden-Württemberg in Gefahr.

Viele Archäologinnen und Archäologen in Baden-Württemberg sind Mitglieder von ver.di. Sie sind gerne Ansprechpartner und geben Hilfestellung bei der Erarbeitung und Umsetzung neuer Konzepte. Sie haben ein erstes ver.di-Memorandum zur Guten Arbeit in der Denkmalpflege erstellt.

 

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